“ Sichere Toiletten schaffen gleiche Chancen“
Der Welttoilettentag am 19. November 2026 steht unter dem Motto „Safe toilets. Equal futures.“ – „Sichere Toiletten. Gleiche Zukunftschancen.“ Die Vereinten Nationen machen damit auf einen häufig unterschätzten Zusammenhang aufmerksam: Sichere und hygienische Sanitäranlagen sind nicht nur eine Voraussetzung für Gesundheit und Menschenwürde, sondern auch für Gleichberechtigung, Bildung und gesellschaftliche Teilhabe.
Milliarden Menschen ohne sichere Sanitärversorgung
Für viele Menschen ist die Nutzung einer sauberen und jederzeit zugänglichen Toilette selbstverständlich. Weltweit sieht die Realität jedoch anders aus. Nach Angaben von WHO und UNICEF haben rund 3,4 Milliarden Menschen keinen Zugang zu einer sicher bewirtschafteten Sanitärversorgung. Fehlende Toiletten und unzureichende hygienische Bedingungen gefährden die Gesundheit und beeinträchtigen die Lebensqualität.
Besonders betroffen sind Frauen und Mädchen. Wo sichere Sanitäranlagen fehlen, müssen sie teilweise abgelegene Orte aufsuchen und sind dabei erhöhten Sicherheitsrisiken ausgesetzt. Fehlende Privatsphäre und unzureichende Möglichkeiten zur Menstruationshygiene erschweren zudem den Alltag.
Auch Bildungschancen können darunter leiden. Schulen ohne geeignete, abschließbare Toiletten und hygienische Einrichtungen können den regelmäßigen Schulbesuch von Mädchen beeinträchtigen. Damit wird deutlich: Eine angemessene Sanitärversorgung trägt wesentlich zu Chancengleichheit und gesellschaftlicher Teilhabe bei.
Mehr als eine technische Infrastrukturfrage
Der Zugang zu Wasser und Sanitärversorgung ist von den Vereinten Nationen als Menschenrecht anerkannt. Dabei reicht es nicht aus, lediglich Toiletten bereitzustellen. Sie müssen hygienisch, sicher, erreichbar und für unterschiedliche Nutzergruppen geeignet sein.
Besondere Bedeutung haben dabei Barrierefreiheit, Privatsphäre und die sichere Entsorgung von Abwasser und Fäkalien. Auch die Bedürfnisse älterer Menschen, von Kindern und Menschen mit Behinderungen müssen berücksichtigt werden.
Der Welttoilettentag verdeutlicht damit, dass Sanitärversorgung weit über technische Anforderungen hinausgeht. Sie ist zugleich eine Frage sozialer Gerechtigkeit und nachhaltiger Entwicklung.
Auch in Deutschland ein wichtiges Thema
In Deutschland ist die grundlegende Sanitärversorgung weitgehend gesichert. Dennoch bestehen Herausforderungen bei der Verfügbarkeit und Qualität öffentlich zugänglicher Toiletten.
Saubere, sichere und barrierefreie Sanitäranlagen in Innenstädten, an Bahnhöfen, in Parks und öffentlichen Einrichtungen sind für viele Menschen unverzichtbar. Besonders ältere Menschen, Familien mit Kindern und Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen sind auf gut erreichbare Toiletten angewiesen.
Auch die Ausstattung von Schulen und öffentlichen Einrichtungen mit geeigneten Möglichkeiten zur Menstruationshygiene sowie die langfristige Finanzierung und Unterhaltung öffentlicher Sanitäranlagen verdienen Aufmerksamkeit.
Sanitärversorgung als Zukunftsaufgabe
Der Welttoilettentag ist eng mit dem sechsten Nachhaltigkeitsziel der Vereinten Nationen (SDG 6) verbunden. Dieses sieht vor, bis 2030 eine angemessene und gerechte Sanitärversorgung für alle Menschen sicherzustellen. Die bisherigen weltweiten Fortschritte reichen jedoch nicht aus, um dieses Ziel fristgerecht zu erreichen.
Das Motto des Welttoilettentags 2026 bringt die zentrale Botschaft auf den Punkt: Sichere Toiletten sind kein Luxus, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Gesundheit, Würde und gleiche Zukunftschancen.
Quelle: Vereinte Nationen, World Toilet Day 2026; WHO/UNICEF Joint Monitoring Programme (JMP).
Dem diesjährigen Motto kann sich Lars Strehse, Geschäftsführer der AGL GmbH nur anschließen „Die öffentliche Abwasserentsorgung und Behandlung ist Kernbestandteil der Sanitärversorgung und keine Selbstverständlichkeit. Stets muss in den Unterhalt und die Modernisierung der Anlagen investiert werden. Wichtig ist dabei auch, dass öffentliche Toiletten diskriminierungsfrei zugänglich und in ausreichendem Umfang vorhanden sind. Das ist auch wichtig für alle Diejenigen die keinen festen Arbeitsplatz haben, wie z.B. unserer Mitarbeiter*innen die stetig an wechselnden Einsatzorten im Stadtgebiet Lüneburgs unterwegs sind aber auch z.B. für Kurierfahrer*innen usw.. Ebenso wichtig ist es dass alle Sanitäranlagen auch barrierefrei sind.“
Während weltweit trotz erheblicher Anstrengungen und Investitionen in den vergangenen Jahrzehnten noch immer Milliarden von Menschen keinen Zugang zu einer angemessenen Sanitärversorgung haben, sieht die Situation in Deutschland deutlich besser aus. Der Anschlussgrad der Bevölkerung an die öffentliche Kanalisation liegt mittlerweile bei 97,3 %, das Abwasser von 96,8 Prozent der Bevölkerung wird in zentralen Kläranlagen behandelt. Weitere 2,7 Prozent der Bevölkerung behandeln ihr Abwasser in Kleinkläranlagen. Die Entlastung der Gewässer von Nährstoffen, vor allem Phosphor und Stickstoff, ist gewaltig. Jährlich halten die deutschen Kläranlagen rund 315.000 Tonnen Stickstoff sowie knapp 50.000 Tonnen Phosphor zurück und schützen so die Flüsse und Seen sowie auch die Nord- und Ostsee vor Eutrophierung, einem übermäßigen Wachstum von Algen und Wasserpflanzen.
Dezentralisierung der Abwasserreinigung und sinnvolle Kreislaufwirtschaft als eine Lösung für das globale Problem ?
Die dezentrale Abwasserentsorgung, insbesondere durch Kleinkläranlagen, abflusslose Gruben und Anlagen zur sinnvollen Abwasseraufbereitung zur Wiederverwendung, gewinnt in vielen Regionen zunehmend an Bedeutung. Sie bietet eine Alternative zur zentralen Abwasserentsorgung, insbesondere in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte oder schwierigen topografischen Verhältnissen oder auch in ariden Regionen. Wertvolle Energie und auch Nährstoffe können, im Sinne einer Kreislaufwirtschaft, gewonnen werden.
Warum die Dezentralisierung der Abwasserreinigung das Problem lösen könnte ist gut in einem Erklärvideo des Bremen Overseas Research and Development Association, kurz BORDA e.V. dargestellt. BORDA e.V. unterstützt die Erstellung und Umsetzung von Entsorgungs- und Umsetzungsstandards für dezentrale Abwasser- und Fäkalschlammbehandlungsanlagen (DEWATS) weltweit.
hier gelangst Du zum Erklärvideo des BORDA e.V.
Ein Filmtipp
Der Regisseur Rubén Abruña hat sich mit seinem Film „HOLY SHIT“ auf eine investigative und unterhaltsame Suche durch 16 Städte auf vier Kontinenten gemacht und stellt sich den wichtigen Fragen:
Was geschieht mit der Nahrung, die wir verdauen, nachdem sie unseren Körper verlassen hat ?
Ist es Abfall, der weggeworfen wird, oder eine Ressource, die wiederverwendet werden kann ?
Er folgt der Fäkalienspur von den langen Pariser Abwasserkanälen bis zu einer riesigen Kläranlage in Chicago. Die vermeintliche, weltweit angewandte Lösung, die halbfesten Überreste der Kläranlage als Dünger zu verwenden, erweist sich als lebender Albtraum, denn sie enthalten Schwermetalle und giftige PFAS-Chemikalien.
Können Ausscheidungen für den Anbau von Nahrungsmitteln genutzt werden und die drohende Düngerknappheit lindern? Er trifft die Poop Pirates aus Uganda, die mit ihrer Arbeit und ihren Liedern den Menschen beibringen, wie sie Fäkalien in sicheren Dünger verwandeln können. Im ländlichen Schweden zeigt ihm ein Ingenieur eine Trockentoilette, die aus Urin Dünger herstellt. In Hamburg und Genf entdeckt er Wohnkomplexe mit dezentralen Kläranlagen, die nicht an die Kanalisation angeschlossen sind und aus menschlichen Exkrementen Strom und Dünger erzeugen. Am Ende findet der Regisseur Antworten auf Wiederverwendung menschlicher Fäkalien die erhöhen weltweit Ernährungssicherheit, Umweltschutz, Hygiene und Abschwächung des Klimawandels.
hier gelangst Du zum Film „HOLY SHIT“ – Sehenswert !
Sanitäreinrichtungen im öffentlichen Raum
Die Vereinten Nationen fordern einen angemessenen Zugang zu Sanitäreinrichtungen. In Deutschland und anderen europäischen Staaten ist dieser im privaten Bereich weitestgehend gegeben. Nachholbedarf sieht die EU aber im öffentlichen Raum. Die novellierte Kommunalabwasserrichtlinie fordert jetzt für alle Siedlungsgebiete mit mehr als 10.000 Einwohnern einen kostenlosen und insbesondere für Frauen sicheren Zugang zu Sanitäreinrichtungen im öffentlichen Raum. In allen Siedlungsgebieten mit 5.000 Einwohnern soll eine ausreichende Zahl von kostenlosen sanitären Einrichtungen in öffentlichen Gebäuden zur Verfügung stehen.
Wo in der Hansestadt Lüneburg öffentliche Toiletten zu finden sind und wo über die Initiative des Stadt-WC auch private Toiletten bei Bedarf genutzt werden können findest Du auf der „Toilettenkarte“ der Hansestadt Lüneburg.
hier kommst Du zur „Toilettenkarte“ der Hansestadt Lüneburg
UN-Welttoilettentag
Der Welttoilettentag wurde erstmals 2001 von der Welttoilettenorganisation ausgerufen. 2013 hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen einstimmig den 19. November den Welttoilettentag als Welttag der Vereinten Nationen erklärt. Bereits seit 2010 ist der Zugang zur Sanitärversorgung ein von den Vereinten Nationen anerkanntes Menschenrecht, gleiches gilt für die Versorgung mit Trinkwasser. Sowohl Trinkwasserversorgung als auch Zugang zu Sanitärversorgung sind zugleich wesentliche Elemente der Ende 2015 von den Vereinten Nationen verabschiedeten Sustainable Development Goals.
Was Du unbedingt beachten solltest:
