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Kanalbau

Quartier für Quartier – schrittweise das Kanalnetz zukunftsfähig machen

Das Kanalnetz der AGL GmbH ist rund 588 Kilometer lang und sorgt täglich dafür, dass Schmutz- und Regenwasser zuverlässig abgeleitet werden. Die Lüneburger Kanalisation der Stadtentwässerung gehört in Deutschland zu eine der ältesten Kanalisationen überthaupt, d.h. der Bau einer modernen Schwemmkanalisation begann in Lüneburg bereits 1854. Noch heute sind aus dieser Zeit im Innenstadtbereich Lüneburgs einige Kanäle in Betrieb. Auch viel Kanäle die nach dem 2. Weltkrieg gebaut wurden sind bereits seit Jahrzehnten in Betrieb. Damit diese wichtige Infrastruktur auch in Zukunft sicher und leistungsfähig bleibt, untersucht, saniert und modernisiert die AGL GmbH das Kanalnetz systematisch. Die zukünftigen Planungen berücksichtigen dabei systematisch den Zustand der Kanäle, deren hydraulische Leistungsfähigkeit auch in Hinblick auf zukünftige Anforderungen und die städtebaulichen Planungen der Hansestadt Lüneburg

Quartier für Quartier statt nur im Schadensfall

Unter dem Leitprojekt „Quartier für Quartier“ wird das Stadtgebiet schrittweise untersucht und bearbeitet. Lüneburg ist dafür in 18 Teilnetze beziehungsweise Stadtteile gegliedert. Zunächst werden die Kanäle eines Quartiers mit Kameratechnik untersucht. Die Aufnahmen werden digital ausgewertet und Schäden bewertet. Dabei kommt schon heute eine IT-Anwendung auf Basis von KI-Technologie zum Einsatz, so dass unsere Ingenieur*innen und Ingenieure in Ihrer Entscheidungsfindung zur Sanierung und Modernisierung der so untersuchten Kanäle, unterstützt werden. Auf dieser Grundlage wird entschieden, wo Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen erforderlich sind.

Neben dem baulichen Zustand werden somit auch die Funktions- und Leistungsfähigkeit des Kanalnetzes sowie mögliche Risiken berücksichtigt. Dringende Schäden werden unabhängig von der langfristigen Quartiersplanung kurzfristig behoben.

[Bildquelle: AGL; KI-Grafik]

Welche Sanierungsmethoden stehen zur Verfügung ?

Nicht jeder schadhafte Kanal muss vollständig ausgetauscht werden. Je nach Schadensbild und örtlichen Gegebenheiten stehen unterschiedliche Verfahren zur Verfügung:

  • Reparatur: Bei kleineren, örtlich begrenzten Schäden können beispielsweise Kanalroboter, Injektionstechniken oder spezielle Manschetten eingesetzt werden.
  • Renovierung: Sind längere Kanalabschnitte betroffen, kann etwa mit einem Schlauchlining eine neue Innenauskleidung in das vorhandene Rohr eingebracht werden. Der bestehende Kanal kann dadurch weiter genutzt und seine Lebensdauer verlängert werden.
  • Erneuerung oder Neubau: Ist eine Leitung so stark geschädigt, dass Reparatur oder Renovierung nicht mehr sinnvoll sind, wird sie neu gebaut.

Möglichst grabenlos sanieren

Viele Arbeiten können heute in geschlossener beziehungsweise grabenloser Bauweise durchgeführt werden. Diese Bauverfahren nennt man Mikrotunneling. Dabei muss die Straße nicht über die gesamte Länge des Kanals geöffnet werden. Der Zugang erfolgt in der Regel über vorhandene Schächte oder kleinere Start- und Zielgruben.

Wo dies technisch nicht möglich oder eine umfassendere Erneuerung erforderlich ist, wird in offener Bauweise gearbeitet. Dann wird der Kanal durch einen Graben oder eine Baugrube freigelegt.

[Bildquelle: AGL; KI-Bild]

Welche Kosten werden höchstwahrscheinlich in den kommenden Jahren entstehen ?

Die langfristige Sicherung und Modernisierung des Kanalnetzes erfordert erhebliche finanzielle Mittel. Für den Zeitraum 2026 bis 2039 geht die aktuelle Planung von einem Investitionsrahmen von rund 86,0 Millionen Euro netto aus. Hinzu kommen rund 19,4 Millionen Euro netto für Sanierungsaufwendungen. Der jährliche Finanzbedarf für strukturierte Investitionen und Reparaturen in das Kanalnetz wird höchstwahrscheinlich, nach aktueller Einschätzung, somit jährlich rund netto 12 Mio. betragen.

Die Kostenansätze beruhen auf den bislang durchgeführten Untersuchungen und werden mit jedem weiteren untersuchten Quartier überprüft und fortgeschrieben. Besonders aufwendige Einzel- und Sonderprojekte oder die Behebung von festgestellten Schäden, die noch nicht im Leitprojekt „Quartier für Quartier“ erfasst wurden, werden gesondert betrachtet und sind nicht Bestandteil dieses Kostenansatzes.

Der langfristige Fahrplan

Jährlich werden rund 45 bis 50 Kilometer Kanalnetz untersucht. Bis 2032 soll das gesamte Stadtgebiet einmal vollständig untersucht und bewertet sein. Die daraus erforderlichen Maßnahmen sollen schrittweise bis etwa 2039 umgesetzt werden.

Damit entwickelt sich die AGL GmbH von einer bisher vorwiegend reaktiven Schadensbeseitigung hin zu einer langfristigen und vorausschauenden Infrastrukturplanung: Schäden frühzeitig erkennen, Maßnahmen nach Dringlichkeit priorisieren, Investitionen planbar machen und Arbeiten sinnvoll miteinander verbinden.

Das Ziel: ein zuverlässiges und leistungsfähiges Kanalnetz für Lüneburg – langfristig geplant, wirtschaftlich umgesetzt und mit modernen Sanierungsverfahren Schritt für Schritt erneuert: Quartier für Quartier.